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Ratgeber

Viskose, Modal und Lyocell: Gleicher Rohstoff, verschiedene Prozesse

Stoffmuster und Garnrollen auf einem Arbeitstisch.

Bild: KI-generiertes Symbolbild.

Ein weiches Oberteil trägt die Materialangabe Viskose, ein anderes Modal, ein drittes Lyocell. Alle drei werden häufig mit Holz, Natürlichkeit und Kreisläufen beworben. Der gemeinsame Rohstoff erklärt jedoch nur einen Teil der Herstellung. Aus Zellulose werden durch industrielle Verfahren neue Fasern – und diese Verfahren unterscheiden sich.

Pflanzenrohstoff, industriell hergestellte Faser

Die schwedische Verbraucherbehörde Konsumentverket zählt Viskose, Modal und Lyocell zu den Regeneratfasern aus Zellulose. Dafür kann die pflanzliche Ausgangsquelle unterschiedlich sein; bei der Herstellung der Textilfaser werden Chemikalien eingesetzt. [1] Die Abbildung eines Baumes auf dem Etikett beschreibt deshalb keinen rein mechanischen Verarbeitungsschritt.

Lies zuerst die tatsächliche Materialzusammensetzung. Ein Oberteil kann mehrere Faserarten enthalten. Ein Markenname auf dem Anhänger ist zudem von der allgemeinen Faserbezeichnung zu unterscheiden. Er allein ersetzt keine Angabe zu den enthaltenen Anteilen.

Viskose und Modal sind eng verwandt

Der Faserhersteller Lenzing beschreibt sein Viskoseverfahren als mehrstufigen chemischen Prozess: Die Zellulose wird vor dem Verspinnen chemisch umgewandelt. Modal folgt einem verwandten Weg mit veränderten Prozessbedingungen, die besondere Eigenschaften der fertigen Faser ermöglichen. [2]

Der Materialname sagt jedoch noch nicht, wie ein bestimmtes Werk Chemikalien zurückgewinnt, Abwasser behandelt oder seinen Energiebedarf deckt. Konsumentverket betont, dass die Umweltwirkung desselben Materials je nach Produktion deutlich variieren kann. [1] Ein pauschaler Vergleich anhand der Rohstoffnamen greift deshalb zu kurz.

Lyocell nutzt einen anderen Lösungsweg

Beim beschriebenen Lyocellverfahren löst Lenzing die Zellulose direkt in einem organischen Lösungsmittel. Das Unternehmen nennt für seinen Prozess eine weitgehende Rückgewinnung des Lösungsmittels. [2] Das ist eine Herstellerangabe zu einem definierten Verfahren und kein geprüfter Rückgewinnungswert für sämtliche Produkte mit der Angabe Lyocell.

Wenn eine Marke mit einem geschlossenen Kreislauf wirbt, frage nach dem Bezug: Welcher Stoff wird in welchem Prozess zurückgeführt? Die Rückgewinnung eines Lösungsmittels bedeutet nicht automatisch, dass Wasser, Energie und sämtliche weiteren Produktionsschritte ebenfalls einen vollständig geschlossenen Kreislauf bilden.

Die Herkunft der Zellulose mitprüfen

Auch ein günstigerer Verarbeitungsprozess beantwortet nicht die Frage, woher der Rohstoff kommt. FSC beschreibt sein Zertifizierungssystem für holzbasierte Textilien als Instrument zur Absicherung von Waldwirtschaft und Lieferkette. [3] Dieser Nachweis erfüllt eine andere Aufgabe als Informationen zu Emissionen einer Faserfabrik.

Prüfe daher beide Ebenen: nachvollziehbare Rohstoffbeschaffung und konkrete Angaben zur Verarbeitung. Für eine glaubwürdige Produktbeschreibung sollten die Aussagen zusammenpassen, statt dass eine Waldkennzeichnung sämtliche Umweltfragen der späteren Herstellung beantworten soll.

Das fertige Kleidungsstück bleibt entscheidend

Fühle Stoff und Nähte, prüfe Passform und Pflegeetikett. Aus der Faser allein lässt sich nicht vorhersagen, wie oft du das Stück tragen wirst. Auch Konstruktion, Mischung und Verarbeitung beeinflussen den Gebrauch.

Eine kurze Vergleichsliste hilft: Faseranteile, benannter Hersteller oder Prozess, Nachweise zur Rohstoffherkunft und passende Pflege. Bleiben Informationen offen, notiere die konkrete Frage. So wird aus dem unscharfen Versprechen einer „Holzfaser“ eine nachvollziehbare Auswahl zwischen tatsächlich beschriebenen Produkten.


Quellen und Einordnung

Recherche- und Bearbeitungsstand: 27. Oktober 2026. Dieser Beitrag beruht auf einer Auswertung der verlinkten Quellen; eigene Praxistests oder Interviews wurden dafür nicht durchgeführt. Beispiele sind als solche gekennzeichnet.

  1. Schwedische Verbraucherbehörde Konsumentverket: Materialien in Kleidung, geprüft 19.12.2025
  2. Faserhersteller Lenzing: Eigene Produktionsverfahren für Viskose, Modal und Lyocell
  3. FSC: Herkunftssicherung bei holzbasierten Textilfasern
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