kein Planet B

Ratgeber

Citizen Science mitmachen: Naturbeobachtung sinnvoll dokumentieren

Von hinten gesehene Person mit Fernglas notiert eine Vogelbeobachtung in einem kleinen Heft.

Bild: KI-generiertes Symbolbild.

Ein Käfer am Gartenzaun oder eine auffällige Mücke in der Wohnung kann der Ausgangspunkt für eine wissenschaftlich nutzbare Beobachtung sein. Der Wert entsteht aber nicht allein durch einen spektakulären Fund. Wichtig sind nachvollziehbare Angaben und ein Projekt, das genau diese Art von Meldung benötigt. Wähle deshalb zuerst das Vorhaben und lies dessen aktuelle Anleitung.

Projekt und Aufgabe passend auswählen

Frage, wer das Projekt betreibt, welche Forschungsfrage beschrieben wird und was von Teilnehmenden erwartet wird. Geht es um einzelne Funde, eine feste Beobachtungszeit oder ein bestimmtes Gebiet? Diese Verfahren sind nicht austauschbar. Eine zufällig gemachte Aufnahme erfüllt nicht automatisch die Anforderungen einer standardisierten Zählung.

Ein deutsches Beispiel ist der Mückenatlas von ZALF und Friedrich-Loeffler-Institut. Seine Projektseite bietet eine aktuelle Mitmachanleitung und eigene Teilnahmebedingungen für die Forschung an Stechmücken. [3] Verwende für eine Teilnahme das aktuelle Verfahren und nicht eine verkürzte Nacherzählung aus sozialen Medien. Bevor Tiere gesammelt oder eingesandt werden, müssen Eignung und Regeln des Projekts klar sein.

Den Beleg nicht von seinen Angaben trennen

Bei iNaturalist umfassen die Voraussetzungen für überprüfbare Beobachtungen unter anderem ein zutreffendes Datum, eine genaue Verortung und Foto- oder Tonbelege. Die Plattform berücksichtigt außerdem, ob ein Organismus wild vorkommt oder gehalten beziehungsweise kultiviert wurde. [1] Ein Gartenfoto einer gepflanzten Blume sollte daher nicht als Beleg eines spontanen Wildvorkommens ausgegeben werden.

Notiere Ort und Zeitpunkt möglichst bei der Begegnung. Halte auch fest, mit welcher Projektanleitung du die Meldung erstellt hast. Lade eigene Originalbelege hoch und erfinde keine Bestimmung, wenn du unsicher bist. Ein unklarer Fund kann als solcher dokumentiert werden. KI-generierte Symbolbilder eignen sich nicht als Nachweis einer realen Naturbeobachtung. Auch ein attraktives Bild darf keine hinzugefügten Tiere oder entfernten Merkmale als angeblichen Originalzustand zeigen.

Die Qualitätsbewertung auf iNaturalist kann sich durch Rückmeldungen und Bestimmungen der Gemeinschaft ändern. [1] „Research Grade“ ist deshalb kein persönliches Gütesiegel für eine unfehlbare Beobachtung. Beantworte fachliche Nachfragen und korrigiere erkennbare Fehler. Behalte außerdem eigene Sicherungskopien: Die Plattform erklärt ausdrücklich, kein Ersatz für ein Fotoarchiv zu sein. [2]

Schutz und Privatsphäre gehen vor

Der Verhaltenskodex der OGBW stellt den Schutz von Tieren und Lebensräumen über die Beobachtung. Er fordert Abstand und das Vermeiden von Störungen. [4] Verlasse keine gesperrten Wege und störe weder Nester noch Rückzugsorte für einen besseren Beleg. Ein unterlassenes Foto kann die fachlich richtige Entscheidung sein.

Prüfe vor der Veröffentlichung Standortfreigabe und sichtbare persönliche Informationen. iNaturalist beschreibt sich als Plattform zum Teilen und warnt davor, sie für Informationen zu nutzen, die zuverlässig geheim bleiben müssen. [2] Bei sensiblen Arten oder privaten Fundorten ist deshalb das geeignete Meldeverfahren mit dem Projekt abzustimmen. Ein Fundpunkt auf einer Karte zeigt schließlich eine gemeldete Beobachtung; er beweist weder die vollständige Artenliste eines Gebiets noch die Abwesenheit anderswo.


Quellen und Einordnung

Recherche- und Bearbeitungsstand: 27. Oktober 2026. Dieser Beitrag beruht auf einer Auswertung der verlinkten Quellen; eigene Praxistests oder Interviews wurden dafür nicht durchgeführt. Beispiele sind als solche gekennzeichnet.

  1. iNaturalist: Datenqualität und Research Grade
  2. iNaturalist: Zweck und Grenzen der Plattform
  3. Mückenatlas von ZALF und FLI: Eigene aktuelle Mitmachanleitung und Teilnahmebedingungen
  4. Ornithologische Gesellschaft Baden-Württemberg: Verhaltenskodex für Beobachtende
Redaktionelle Prüfung und Änderungen
  • : Inhaltliche Endkontrolle.