Bild: KI-generiertes Symbolbild.
„Grüner“, „bewusst“ oder „gut für den Planeten“: Auf Verpackungen lässt sich viel Zustimmung erzeugen, bevor eine überprüfbare Information folgt. Nicht jede unklare Aussage ist damit bereits rechtlich als Greenwashing eingeordnet. Für den Einkauf ist aber entscheidend, welche Behauptung sich tatsächlich belegen lässt.
Die EU-Richtlinie 2024/825 befasst sich unter anderem mit Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegeln. Sie zeigt, welche Probleme der Gesetzgeber sieht: allgemeine Versprechen ohne ausreichend belegte Grundlage und Aussagen, die einen kleinen Produktaspekt auf das Ganze übertragen. Die konkrete rechtliche Beurteilung einer Werbung hängt vom anwendbaren Recht und ihrem Einzelfall ab. [1]
1. Worüber wird die Aussage gemacht?
Suche das genaue Bezugsobjekt. Geht es um den Inhalt, die Verpackung, einen einzelnen Rohstoff oder das gesamte Unternehmen? Eine Flasche mit weniger Kunststoff ist zunächst eine Aussage über diese Flasche. Daraus folgt noch keine umfassende Verbesserung der darin verkauften Ware.
Ein frei erfundenes Beispiel: „30 Prozent weniger Material“ kann sich auf einen Deckel beziehen, der nur einen kleinen Teil der Verpackung ausmacht. Die Zahl kann für sich korrekt sein und trotzdem eine andere Vorstellung wecken, wenn der Bezug auf der Vorderseite fehlt. Frage daher ausdrücklich: 30 Prozent wovon?
2. Mit welchem Ausgangspunkt wird verglichen?
Ein Vergleich braucht ein benanntes früheres Produkt oder eine nachvollziehbare Alternative, dieselbe Bezugsmenge und einen Zeitraum. Ist die Packung kleiner geworden? Wurde nur das Materialgewicht betrachtet? Ein Produkt pro Kilogramm ist nicht unmittelbar mit einer einzelnen Packung vergleichbar.
Notiere die Aussage wortgetreu für dich und suche die Erläuterung. Fehlt der Ausgangspunkt, lässt sich der behauptete Fortschritt nicht vernünftig nachprüfen. Die richtige Nachfrage ist dann konkreter als der allgemeine Vorwurf, das Unternehmen sei „nicht nachhaltig“.
3. Welche Umweltwirkung wurde untersucht?
Ein CO2-Fußabdruck bezieht sich auf Treibhausgasemissionen. Das Umweltbundesamt erläutert seine Bilanzierung und die Bedeutung der einbezogenen Emissionsbereiche. Ein niedrigerer CO2-Wert beantwortet nicht automatisch Fragen zu Wasser, Schadstoffen oder Arbeitsbedingungen. [2]
Prüfe auch, welche Lebensphasen berücksichtigt wurden: Rohstoff, Herstellung, Transport, Nutzung und Entsorgung können je nach Untersuchung unterschiedlich abgedeckt sein. Zwei Kennzahlen werden erst vergleichbar, wenn ihre Grenzen zusammenpassen.
4. Wer prüft, und wo steht das Ergebnis?
Suche Kriterien, Prüfstelle, Geltungsbereich und Datum. Ein Fantasiezeichen der Marke ist etwas anderes als ein Zertifizierungssystem mit veröffentlichten Regeln. Ein Link auf eine allgemeine Nachhaltigkeitsseite ist noch kein Beleg für die konkrete Behauptung am Produkt.
Bei einem Studienverweis sollten zumindest Auftraggeber, untersuchtes Produkt, Methode und Ergebnis erkennbar sein. Eine Zusammenfassung kann eine erste Orientierung geben. Für weitreichende Versprechen sollte mehr zugänglich sein als ein werblicher Satz.
5. Ist es eine Verbesserung oder nur ein Ausgleich?
Prüfe, ob das Unternehmen eigene Emissionen verringert oder eine Zahlung für Aktivitäten andernorts beschreibt. Die EU-Richtlinie behandelt ausdrücklich problematische Neutralitätsaussagen, die auf Kompensation beruhen. Beides sollte in einer verständlichen Erklärung auseinandergehalten werden.
Bleiben Antworten aus, ist die Aussage für deine Entscheidung wenig belastbar. Du musst dafür weder eine vollständige Ökobilanz selbst rechnen noch eine Marke pauschal verurteilen. Es genügt, konkrete Belege zu verlangen und die Reichweite eines Versprechens nicht größer zu machen, als die zugänglichen Daten erlauben.
Quellen und Einordnung
Recherche- und Bearbeitungsstand: 27. Oktober 2026. Dieser Beitrag beruht auf einer Auswertung der verlinkten Quellen; eigene Praxistests oder Interviews wurden dafür nicht durchgeführt.
Redaktionelle Prüfung und Änderungen
- : Inhaltliche Endkontrolle.
