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Ratgeber

Kreuzfahrten einordnen: Welche Umweltwirkungen zusammenkommen

Großes Kreuzfahrtschiff an einem Passagierterminal vor einer fiktiven Hafenstadt.

Bild: KI-generiertes Symbolbild.

Ein neues Schiff, ein alternativer Kraftstoff oder ein Landstromanschluss: Kreuzfahrtangebote werben zunehmend mit technischen Verbesserungen. Für die Umweltbewertung ist jedoch entscheidend, welche Wirkung eine Maßnahme tatsächlich verändert. Eine geringere Belastung im Hafen sagt noch nicht, wie viele Treibhausgase auf der gesamten Reise entstehen oder wie das Schiff mit Abwasser umgeht.

Erst die betrachtete Reise festlegen

Notiere Route, Reisedauer, Anreise zum Hafen, Rückreise und zusätzliche Übernachtungen. Vergleiche anschließend Angebote, die denselben Urlaubszweck erfüllen. Eine Schiffsreise mit eingeschlossener Unterkunft und Verpflegung lässt sich nicht ohne weitere Annahmen einem einzelnen Zugkilometer gegenüberstellen. Ebenso wenig bildet die Emission eines ganzen Schiffes bereits die Belastung pro Gast ab.

Bitte bei einem ausgewiesenen Klimawert um die Berechnungsgrundlage: Welche Belegung wird angenommen, welche Treibhausgase sind enthalten und endet die Rechnung beim Verbrennen des Kraftstoffs oder berücksichtigt sie auch dessen Bereitstellung? Fehlen solche Angaben, sollte der Zahlenvergleich als ungeklärt stehen bleiben. Eine zusätzliche Nachkommastelle behebt keine fehlende Systemgrenze.

Mehrere Belastungen zusammen betrachten

Der gemeinsame europäische Seeverkehrsbericht EMTER 2025 behandelt neben Treibhausgasen auch Luftschadstoffe, Wasserverschmutzung und Unterwasserlärm. Seine Kernergebnisse nennen einen Anstieg der Grauwassereinleitungen zwischen 2014 und 2023 um rund 40 Prozent, hauptsächlich infolge wachsender Kreuzfahrtaktivitäten. Zugleich gingen Schwefeloxidemissionen im untersuchten Seeverkehr deutlich zurück, während andere Belastungen fortbestehen. [1]

Die Zahlen beschreiben unterschiedliche Zeiträume und den jeweiligen Untersuchungsraum des Berichts. Sie sind keine aktuelle Einzelbewertung jedes Kreuzfahrtschiffes und kein Wert pro gebuchter Kabine. Ihr Nutzen liegt darin, die richtigen Anschlussfragen zu stellen: Welche Abwässer werden behandelt, gespeichert oder abgegeben, welche Technik ist eingebaut und wie wird ihr Einsatz dokumentiert?

Abgasreinigung und Klimaschutz auseinanderhalten

Das Umweltbundesamt unterscheidet unter anderem offene und geschlossene Abgaswaschanlagen. Offene Systeme entfernen Schwefeldioxid mithilfe von Meerwasser und leiten das Waschwasser ins Meer ein. Geschlossene Systeme führen einen großen Teil im Kreislauf und benötigen eine Behandlung beziehungsweise Entsorgung von Reststoffen. [2] Die Angabe, ein Schiff habe einen Scrubber, erklärt folglich noch nicht seine gesamte Umweltwirkung.

Frage bei pauschalen Aussagen nach dem konkreten System und dem betroffenen Schadstoff. Eine Verbesserung der Schwefelbilanz darf nicht ohne Beleg als gleich große Verringerung der Klimawirkung gelesen werden. Gleiches gilt für das Baujahr: Es ersetzt weder Verbrauchsdaten noch Angaben zum tatsächlichen Betrieb auf der gebuchten Route.

Landstrom hilft während eines bestimmten Betriebszustands

Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation erläutert, dass Schiffe auch am Liegeplatz Energie etwa für Lüftung, Kühlung und Pumpen benötigen. Landstrom kann dafür die bordeigenen Generatoren ersetzen und örtliche Abgas- und Lärmbelastungen verringern. Die Klimawirkung hängt auch von der Stromerzeugung ab; technisch müssen Hafen und Schiff zusammenpassen. [3]

Frage daher nach tatsächlichen Anschlüssen auf der Route und ihrer Nutzung, statt nur nach einer grundsätzlichen Landstromfähigkeit. Lege die Antworten neben Anreise, Reisedauer und mögliche Alternativen. So wird aus einem einzelnen Umweltversprechen ein überprüfbarer Bestandteil einer größeren Entscheidung, deren offene Punkte sichtbar bleiben.


Quellen und Einordnung

Recherche- und Bearbeitungsstand: 27. Oktober 2026. Dieser Beitrag beruht auf einer Auswertung der verlinkten Quellen; eigene Praxistests oder Interviews wurden dafür nicht durchgeführt. Beispiele sind als solche gekennzeichnet.

  1. EMSA und Europäische Umweltagentur: Kernergebnisse des European Maritime Transport Environmental Report 2025
  2. Umweltbundesamt: Seeverkehr, Luftschadstoffe, Treibhausgase und Energieeffizienz, August 2025
  3. Internationale Seeschifffahrtsorganisation, GreenVoyage2050: Funktionsweise und Grenzen von Landstrom
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